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Mehrwegsysteme im Imbiss: Welches Modell passt zum Konzept?
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Mehrwegsysteme im Imbiss: Welches Modell passt zum Konzept?

Mehrweg im Imbiss ist längst keine reine Umweltfrage mehr. Seit dem 1. Januar 2023 müssen viele Betriebe für Speisen und Getränke zum Mitnehmen eine Mehrwegalternative anbieten.

Für Kundinnen und Kunden klingt das zunächst einfach: Essen rein, Behälter später zurück. Im Betriebsalltag entscheidet sich jedoch an ganz anderen Punkten, ob ein System funktioniert – an der Ausgabetheke, im Spülbereich, bei der Rücknahme und in der Kalkulation.

Für einen kleinen Imbiss in Hamweddel oder im ländlichen Raum stellt sich deshalb nicht nur die Frage, ob Mehrweg angeboten werden muss. Entscheidend ist: Passt ein eigenes Behältersortiment zum Betrieb, oder ist ein Poolsystem mit standardisierten Schalen und Bechern die bessere Lösung? Und wie viel zusätzliche Arbeit entsteht, wenn Currywurst, Burger, Pommes und Fischbrötchen nicht mehr nur in Einwegverpackungen über die Theke gehen?

Die gesetzliche Lage: Mehrwegpflicht mit einer kleinen, aber wichtigen Ausnahme

Die Mehrwegangebotspflicht ergibt sich aus den Paragrafen 33 und 34 des Verpackungsgesetzes. Sie gilt für Letztvertreiber, die Speisen oder Getränke in Einwegkunststoffverpackungen oder Einweggetränkebechern für den Außer-Haus-Verzehr anbieten. Das betrifft klassische Imbisse ebenso wie Bäckereien, Cafés, Foodtrucks und Restaurants mit Abholgeschäft.

Die Pflicht bedeutet nicht, dass jeder Betrieb sämtliche Einwegverpackungen sofort abschaffen muss. Das Einwegangebot darf bestehen bleiben, aber daneben muss eine Mehrwegalternative angeboten werden. Diese darf für die Kundschaft nicht zu schlechteren Bedingungen oder zu einem höheren Preis erhältlich sein als die entsprechende Einwegvariante.

Das ist für die Gestaltung des Angebots entscheidend. Ein Betrieb kann also nicht die Mehrwegschale mit einem Aufpreis versehen, nur weil ihre Nutzung zusätzlichen Aufwand verursacht. Die Mehrwegoption muss in die normale Preis- und Ablaufstruktur passen.

Wer als Kleinbetrieb ausgenommen ist

Kleine Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und einer Verkaufsfläche von nicht mehr als 80 Quadratmetern sind unter diesen Voraussetzungen davon ausgenommen, eigene Mehrwegverpackungen bereitzustellen. Das betrifft viele kleine Imbisse, insbesondere Verkaufsstellen mit einer kompakten Theke und wenigen Mitarbeitenden.

Die Ausnahme ist allerdings kein Freibrief für Einweg. Auch diese Betriebe müssen mitgebrachte Behälter der Kundschaft auf Wunsch befüllen. Außerdem müssen sie auf diese Möglichkeit hinweisen. Ein handgeschriebener Hinweis an der Kasse oder ein klarer Aufkleber an der Ausgabetheke kann dafür genügen, sollte aber gut sichtbar und verständlich formuliert sein.

Für den Betrieb entsteht dadurch eine praktische Hygienefrage: Der mitgebrachte Behälter darf nicht so gehandhabt werden, dass er mit der Ausgabefläche, der Schöpfkelle oder dem vorbereiteten Essen in Berührung kommt. In der Praxis braucht es dafür einen festen Ablauf. Das Essen wird etwa mit einem geeigneten Hilfsmittel eingefüllt, ohne den fremden Behälter auf Arbeitsflächen abzustellen, auf denen anschließend weiter produziert wird.

Die Kleinbetriebsregelung nimmt nicht jede Verantwortung weg. Sie verschiebt sie: vom eigenen Behälterbestand hin zu einem sauberen, nachvollziehbaren Umgang mit mitgebrachten Gefäßen.

Ein Betrieb, der über den Grenzwerten liegt oder sich freiwillig stärker auf Mehrweg ausrichten möchte, braucht dagegen ein eigenes System. Dafür gibt es drei grundsätzliche Wege:

  • ein eigenes Behältersortiment kaufen und selbst verwalten,
  • sich einem Poolsystem mit Pfand anschließen,
  • ein appbasiertes, pfandloses Ausleihsystem nutzen.

Die Entscheidung hängt weniger vom Etikett auf dem Behälter ab als von den Abläufen im Betrieb.

Eigenes Geschirr oder Poolanbieter: Zwei unterschiedliche Betriebsmodelle

Beim eigenen Mehrwegsystem kauft der Imbiss Behälter, Deckel und gegebenenfalls Becher selbst. Das Sortiment kann exakt an die Speisekarte angepasst werden: flache Schalen für Pommes, höhere Behälter für Currywurst, stabile Boxen für Burger oder größere Formate für Tagesgerichte.

Der Vorteil liegt in der Kontrolle. Der Betrieb bestimmt Form, Material, Farbe und Einsatzbereich. Auch die Rücknahme ist nicht an ein Netzwerk gebunden. Der Nachteil: Alle Aufgaben bleiben im Haus. Behälter müssen beschafft, gekennzeichnet, gelagert, ausgegeben, zurückgenommen, kontrolliert und gespült werden. Bei einem kleinen Team kann das schnell mehr Raum und Aufmerksamkeit beanspruchen als erwartet.

Ein Poolsystem nimmt dem Imbiss einen Teil dieser Organisation ab. Die Behälter gehören zum Anbieter und können an vielen teilnehmenden Rückgabestellen abgegeben werden. Für Kundinnen und Kunden ist das besonders praktisch, wenn sie nicht zum ursprünglichen Imbiss zurückkehren müssen. Für den Betrieb entsteht dafür eine laufende Systemgebühr und eine Abhängigkeit von den verfügbaren Behältergrößen und Rückgabeprozessen.

RECUP und REBOWL: das klassische Pfandmodell

Bei RECUP und REBOWL wird die Verpackung gegen Pfand ausgegeben. Für REBOWL-Schalen beträgt das Pfand 5 Euro. Die Kundschaft erhält die Schale mit dem Essen und bekommt das Pfand bei der Rückgabe zurück. Die Rückgabe kann je nach Netz an teilnehmenden Betrieben erfolgen.

Für den Imbiss ist dieses Modell leicht zu erklären. Ein Satz an der Kasse reicht meist: Mehrwegschale gegen Pfand, Rückgabe bei einer teilnehmenden Stelle. Es braucht keine Registrierung und keine App. Das macht das System auch für Laufkundschaft, ältere Kundinnen und Kunden oder Menschen ohne Smartphone zugänglich.

Der Anbieter berechnet den gastronomischen Betrieben eine monatliche Systemgebühr, die je nach Vertragslaufzeit ab 30 Euro pro Monat liegen kann. Dazu kommen im Alltag weniger sichtbare Aufwände: Mitarbeitende müssen Rückgaben annehmen, Behälter sammeln und den Rücklauf organisieren. Die Pfandabwicklung muss an der Kasse sauber abgebildet werden, damit Rückzahlungen nicht im Tagesabschluss verschwimmen.

Das Pfandmodell eignet sich besonders für Betriebe mit:

  • vielen spontanen Bestellungen,
  • einem gemischten Publikum ohne einheitliche App-Nutzung,
  • hohem Getränkeanteil,
  • einer Lage, in der mehrere Rückgabestellen in der Umgebung vorhanden sind,
  • wenig Zeit für digitale Erklärungen an der Theke.

Vytal: Mehrweg per App und Rückgabefrist

Vytal arbeitet mit einer pfandlosen Ausleihe per QR-Code und Smartphone-App. Kundinnen und Kunden leihen den Behälter aus und müssen ihn innerhalb von 14 Tagen kostenlos zurückgeben. Erfolgt die Rückgabe nicht rechtzeitig, kann eine Nachberechnung erfolgen.

Das Modell senkt die Einstiegshürde an der Kasse, weil kein Pfandbetrag bezahlt und später zurückgebucht werden muss. Für Stammkundschaft kann das angenehm sein: App öffnen, QR-Code scannen, Behälter mitnehmen. Für den Imbiss lässt sich die Ausgabe digital dokumentieren.

Der Preis dafür ist eine zusätzliche Erklärung. Nicht jeder Gast möchte für eine Portion Pommes eine App installieren oder sich mit einer Rückgabefrist beschäftigen. Der Betrieb sollte deshalb nicht voraussetzen, dass die Kundschaft das System bereits kennt. Ein kurzer Ablauf an der Kasse und ein gut sichtbarer QR-Code gehören zur Grundausstattung.

Vytal passt eher zu einem Betrieb mit wiederkehrender Kundschaft, digitalem Bestellprozess oder einem Publikum, das ohnehin mit Apps bezahlt, bestellt und Bonusprogramme nutzt. In einem sehr spontanen Ausflugsgeschäft oder an einer stark wechselnden Ausflugslage kann das Pfandmodell einfacher funktionieren.

Relevo und weitere Poolsysteme

Neben RECUP/REBOWL und Vytal gibt es weitere Anbieter wie Relevo. Das Grundprinzip ist ähnlich: Der Imbiss nutzt standardisierte Mehrwegbehälter eines Pools und gibt sie über ein Pfand- oder App-Modell an die Kundschaft aus. Die konkreten Gebühren, Behälterformen, Rückgaberegeln und regionalen Netze unterscheiden sich.

Deshalb sollte der Vergleich nicht bei der Anbieterbekanntheit enden. Für einen Imbiss zählt vor allem, ob die benötigten Schalen in der passenden Größe verfügbar sind, wie die Rückgabe im eigenen Umfeld funktioniert und ob der Vertrag zur tatsächlichen Ausgabemenge passt.

KriteriumEigenes MehrwegsortimentRECUP/REBOWLVytal
BehälterVom Betrieb selbst gekauftBestandteil eines PoolsBestandteil eines Pools
AusgabeEigene Regeln und gegebenenfalls eigenes PfandPfandmodellApp-basierte Ausleihe
RückgabeMeist beim ursprünglichen BetriebBei teilnehmenden RückgabestellenNach den Regeln des Anbieters, innerhalb der Leihfrist kostenlos
KundenzugangOhne App möglichOhne App möglichSmartphone und App erforderlich
FixkostenVor allem Anschaffung und SpültechnikMonatliche Systemgebühr, ab 30 Euro je nach VertragVertrags- und nutzungsabhängige Kosten
GestaltungFrei wählbarVorgegebene PoolbehälterVorgegebene Poolbehälter
VerwaltungsaufwandVollständig beim ImbissRücknahme und Rücklauf bleiben im Alltag relevantDigitale Ausgabe und Rückgabekontrolle
StärkeMaximale Kontrolle und MarkenanpassungEinfach verständliches PfandprinzipPfandlose, digitale Nutzung
SchwächeHoher eigener LogistikaufwandLaufende Gebühr und PoolabhängigkeitApp-Hürde und Rückgabefrist

Die Kosten liegen nicht nur auf der Rechnung

Die Frage nach den Kosten für Mehrweganbieter in der Gastronomie wird häufig zu eng gestellt. Eine monatliche Systemgebühr ist leicht zu sehen. Der eigentliche Aufwand verteilt sich jedoch auf mehrere Stellen im Betrieb.

Beim eigenen Mehrweg müssen Anschaffungskosten und Ersatzbedarf einkalkuliert werden. Behälter verschwinden, werden beschädigt oder kommen nicht rechtzeitig zurück. Dazu kommen Lagerflächen und die Ausstattung für Reinigung und Trocknung. Wer bereits über eine geeignete Spültechnik verfügt, startet unter anderen Bedingungen als ein kleiner Imbiss, der jeden zusätzlichen Behälter manuell bearbeiten muss.

Bei einem Poolanbieter fällt die Anschaffung eines eigenen großen Behälterbestands geringer aus oder entfällt. Dafür entstehen regelmäßige Gebühren. In der Recherche liegen diese je nach Modell und Vertragslaufzeit bei ungefähr 25 bis 40 Euro monatlich; für RECUP/REBOWL ist eine Gebühr ab 30 Euro pro Monat genannt. Die genaue Belastung hängt vom Vertrag und vom gewählten System ab.

Für die Entscheidung lohnt eine einfache betriebliche Rechnung. Nicht als kompliziertes Controlling, sondern als ehrliche Bestandsaufnahme:

1. Ausgabemenge erfassen: Wie viele To-go-Gerichte und Getränke verlassen den Betrieb an einem normalen Wochentag?

2. Mehrweganteil schätzen: Nicht jede Bestellung wird automatisch im Mehrwegbehälter ausgegeben. Stammgäste bringen eigene Gefäße mit, andere wählen Einweg.

3. Rücklauf beobachten: Wie viele Behälter kommen tatsächlich zurück, und wie viele bleiben lange aus?

4. Arbeitszeit bewerten: Wer nimmt die Behälter zurück, wer sortiert sie, wer stellt sie in die Spülmaschine und wer kontrolliert sie?

5. Lager und Reinigung einrechnen: Selbst ein kleines Sortiment braucht einen festen Platz und einen hygienisch klaren Ablauf.

6. Kassenvorgänge prüfen: Pfand, Rückerstattung und gegebenenfalls digitale Ausleihen dürfen nicht zu Kassenfehlern führen.

7. Vertrag gegen Saison und Öffnungszeiten halten: Ein System muss auch dann funktionieren, wenn der Betrieb im Winter deutlich weniger Laufkundschaft hat.

Der Fehler liegt oft darin, nur den Preis pro Behälter zu betrachten. Ein günstiges eigenes Sortiment kann teuer werden, wenn die Rücknahme jeden Abend ungeordnet auf der Spülfläche landet. Ein Poolsystem kann trotz monatlicher Gebühr sinnvoller sein, wenn es Lager und Beschaffung vereinfacht. Umgekehrt ist eine laufende Gebühr für einen sehr kleinen Betrieb schwer zu rechtfertigen, wenn nur wenige Mehrwegvorgänge pro Tag entstehen.

Der Küchenablauf entscheidet über die Akzeptanz

Mehrweg scheitert selten am Material. Es scheitert an schlecht gesetzten Handgriffen.

An der Ausgabetheke muss klar sein, welcher Behälter zu welchem Gericht gehört. Eine Currywurst mit Pommes braucht andere Eigenschaften als ein Burger. Die Schale muss dicht genug für Sauce sein, darf nicht unnötig groß ausfallen und sollte sich sicher stapeln lassen. Bei Fischgerichten kommen Geruch und Fett hinzu. Ein Behälter, der für trockene Backwaren gut funktioniert, ist nicht automatisch für Bratensauce oder Remoulade geeignet.

Auch die Reihenfolge in der Küche zählt. Wird das Essen erst in eine Einwegverpackung gelegt und anschließend umgefüllt, ist der Mehrwegvorteil im Ablauf bereits verspielt. Der Behälter sollte direkt am passenden Produktionsplatz bereitstehen. Dafür braucht es keine große Umbauaktion, aber eine eindeutige Zuordnung von Behälter, Gericht und Stellfläche.

Ein funktionierender Ablauf kann so aussehen:

  • Saubere Behälter stehen nach Größen sortiert in unmittelbarer Nähe der Ausgabe.
  • Die Bestellung wird an der Kasse eindeutig als Mehrweg, Einweg oder mitgebrachtes Gefäß markiert.
  • Das Küchenpersonal verwendet nur die vorgesehene Behältergröße.
  • Rückgaben landen nicht neben frischen Zutaten, sondern in einem klar abgegrenzten Sammelbereich.
  • Vor der Reinigung werden grobe Speisereste entfernt, damit die Spültechnik nicht unnötig belastet wird.
  • Saubere und gebrauchte Behälter haben räumlich und organisatorisch keinen gemeinsamen Platz.

Das klingt unspektakulär. Genau darin liegt die Stärke. Ein Mehrwegsystem sollte nicht wie ein Sonderprozess behandelt werden, der bei jeder Bestellung neu erklärt werden muss. Nach einer kurzen Einführungsphase muss es genauso selbstverständlich laufen wie die Frage nach Ketchup oder Mayonnaise.

Das beste Mehrwegsystem ist nicht das theoretisch nachhaltigste. Es ist dasjenige, das an der Theke, in der Küche und bei der Rückgabe ohne tägliche Improvisation funktioniert.

Kundschaft gewinnt man mit Einfachheit, nicht mit Appellen

Die meisten Gäste entscheiden nicht anhand einer ausführlichen Erklärung zur Kreislaufwirtschaft. Sie möchten ihr Essen schnell erhalten und wissen, was sie mit dem Behälter später tun sollen. Der Hinweis muss deshalb unmittelbar verständlich sein.

Bei einem Pfandsystem sind drei Informationen ausreichend:

  • Wie hoch ist das Pfand?
  • Wo kann der Behälter zurückgegeben werden?
  • Wird das Pfand bei der Rückgabe erstattet?

Bei einem appbasierten System kommen zwei weitere Punkte hinzu:

  • Welche App wird benötigt?
  • Bis wann muss die Rückgabe erfolgen, damit keine Nachberechnung entsteht?

Die Kommunikation gehört an die Stellen, an denen die Entscheidung fällt: Speisekarte, Bestellseite, Kasse und Ausgabetheke. Ein kleiner Hinweis auf der Website genügt nicht, wenn der Gast erst bei der Abholung erfährt, dass für die Schale ein Pfand oder eine App erforderlich ist.

Auch die Auswahl der Behälter sollte nicht unnötig groß sein. Ein Imbiss braucht nicht für jedes Gericht eine eigene Spezialform. Zwei oder drei gut passende Größen sind im Alltag meist übersichtlicher als ein ganzes Sortiment, das ständig umsortiert werden muss. Für Burger, Pommes und Currywurst können unterschiedliche Anforderungen gelten; trotzdem sollte die Zahl der Varianten beherrschbar bleiben.

Gerade bei Fischbrötchen und belegten Snacks ist die Verpackungsform Teil des Produkterlebnisses. Ein zu hoher Behälter macht ein Brötchen unhandlich, ein zu dicht schließender Deckel kann knusprige Komponenten weich werden lassen. Mehrweg darf das Essen nicht schlechter präsentieren oder die Zeit bis zum Verzehr verlängern. Sonst wird das System von der Kundschaft als Einschränkung wahrgenommen.

Pfand, App oder eigenes System: Eine Entscheidung nach Konzept

Eine kleine Entscheidungsmatrix hilft, die Modelle mit dem eigenen Imbisskonzept abzugleichen:

Das eigene Behältersystem

Es passt, wenn der Betrieb:

  • eine überschaubare Speisekarte mit gut definierbaren Behältergrößen hat,
  • ausreichend Platz für Lagerung und Rücknahme besitzt,
  • Reinigung und Trocknung zuverlässig organisieren kann,
  • seine Verpackung sichtbar als Teil der eigenen Marke nutzen möchte,
  • überwiegend Stammkundschaft bedient, die Behälter regelmäßig zurückbringt.

Das eigene System ist die unabhängigste Lösung, aber auch diejenige mit der größten Verantwortung. Die Behälter gehören dem Betrieb – samt Kosten, Verlusten und Spülaufwand.

Ein Pfand-Poolsystem

RECUP/REBOWL oder ein vergleichbares Pfandmodell ist naheliegend, wenn:

  • viele Gäste spontan bestellen,
  • keine App vorausgesetzt werden soll,
  • ein regionales Rückgabenetz vorhanden ist,
  • die Mitarbeitenden ein leicht erklärbares Verfahren brauchen,
  • die monatliche Gebühr im Verhältnis zur Mehrwegmenge vertretbar ist.

Der große Pluspunkt ist die Verständlichkeit. Pfand ist im deutschen Außer-Haus-Geschäft gelernt. Der Betrieb muss allerdings die Rücknahme konsequent in den Tagesablauf integrieren und die Kassenprozesse sauber abbilden.

Ein appbasiertes Poolsystem

Vytal und ähnliche Modelle können gut funktionieren, wenn:

  • ein hoher Anteil der Kundschaft digital bestellt,
  • die Gäste regelmäßig wiederkommen,
  • QR-Codes und App-Nutzung an der Kasse kein Fremdkörper sind,
  • der Betrieb die Rückgabe innerhalb der vorgesehenen Frist verständlich kommuniziert,
  • die digitale Dokumentation einen echten organisatorischen Vorteil bringt.

Für eine einmalige Bestellung ohne Wiederkehr ist die App-Hürde größer. In einem Betrieb mit Stammkundschaft kann sie dagegen sogar helfen, Rückgaben und Ausleihen nachvollziehbarer zu machen.

Der Sonderfall: Mitgebrachte Behälter

Auch dort, wo keine eigene Mehrwegangebotspflicht besteht, bleibt die Annahme mitgebrachter Behälter ein praktischer Service. Viele Kundinnen und Kunden bringen ihre eigene Box oder einen Mehrwegbecher mit, weil sie kein zusätzliches System nutzen möchten.

Der Betrieb sollte dafür eine klare Hausregel formulieren. Sie kann festlegen, dass der Behälter sauber und für die gewünschte Speise geeignet sein muss. Die Mitarbeitenden sollten fremde Gefäße nicht auf hygienisch sensiblen Flächen abstellen. Ebenso sollte klar sein, dass die Befüllung abgelehnt werden kann, wenn der Behälter sichtbar verschmutzt, beschädigt oder für die Speise ungeeignet ist.

Das ist kein Anlass für misstrauische Grundhaltung. Es geht um einen Ablauf, den alle verstehen. Ein sauberer Behälter, eine kontaktarme Befüllung und eine kurze Erklärung reichen oft aus.

Für den Verkauf ist außerdem eine deutliche Information sinnvoll. Gerade kleine Imbisse, die von der Pflicht zur Bereitstellung eigener Mehrwegverpackungen ausgenommen sind, sollten nicht den Eindruck vermitteln, Mehrweg sei grundsätzlich ausgeschlossen. Ein sichtbarer Hinweis auf die Befüllung mitgebrachter Behälter schafft Klarheit und kann Stammkundschaft an den Betrieb binden.

Was vor der Einführung feststehen sollte

Bevor ein Imbiss einen Vertrag unterschreibt oder mehrere Behältergrößen bestellt, sollte der Ablauf einmal am realen Verkaufstag durchgespielt werden. Nicht theoretisch im Büro, sondern mit den Gerichten, die tatsächlich über die Theke gehen.

Dabei zeigen sich meist die entscheidenden Fragen:

  • Passt die Schale unter die Wärmelampe oder in die Ausgabetasche?
  • Bleibt bei einem Burger genügend Platz, ohne dass das Produkt verrutscht?
  • Kann die Küche die Behälter schnell greifen, ohne ständig Schubladen zu öffnen?
  • Wo landen Rückgaben während der Stoßzeit?
  • Wie werden Pfand und Rückerstattung im Kassensystem erfasst?
  • Was passiert mit Behältern, die stark verschmutzt oder beschädigt zurückkommen?
  • Wie wird das Team auf den Ablauf vorbereitet, wenn eine Person kurzfristig ausfällt?
  • Gibt es im Umfeld tatsächlich Rückgabestellen, die für die Kundschaft erreichbar sind?
  • Ist die App-Lösung für die typische Kundschaft realistisch oder wird sie an der Kasse jedes Mal neu erklärt?

Ein Testbetrieb mit wenigen Behältergrößen ist oft sinnvoller als eine große Erstausstattung. So lässt sich feststellen, welche Gerichte wirklich für Mehrweg geeignet sind und an welcher Stelle der Ablauf stockt. Erst danach sollte das Sortiment erweitert werden.

Für einen Imbiss mit Burgern, Currywurst und Fischbrötchen kann ein Poolanbieter den Einstieg vereinfachen, weil Beschaffung und Standardisierung weniger Arbeit machen. Ein eigener Bestand kann dagegen die bessere Wahl sein, wenn die Speisekarte sehr spezifische Formen verlangt oder das Mehrweggefäß als sichtbarer Teil des Markenauftritts gedacht ist.

Fazit: Das passende Mehrwegsystem folgt dem Betriebsalltag

Beim Vergleich der Mehrwegsysteme in Gastronomie und Imbiss gibt es keinen allgemeinen Sieger. RECUP/REBOWL punktet mit einem verständlichen Pfandmodell und niedriger Zugangshürde. Vytal reduziert die Pfandabwicklung und bringt digitale Prozesse ins Spiel, verlangt dafür aber Smartphone und App. Ein eigenes Sortiment bietet maximale Freiheit, bindet den Betrieb jedoch stärker an Einkauf, Lagerung, Rücknahme und Reinigung.

Die gesetzliche Einordnung ist der erste Schritt, nicht die ganze Entscheidung. Auch kleine Betriebe müssen mitgebrachte Behälter auf Wunsch befüllen und darauf hinweisen. Wer eigene Mehrwegverpackungen anbieten muss oder freiwillig anbieten möchte, sollte das System nach den tatsächlichen Bestellwegen auswählen: spontane Laufkundschaft, Stammgäste, Liefergeschäft, Getränkeanteil, Küchenfläche und Rückgabemöglichkeiten im Umfeld.

Für einen kleinen Imbiss ist ein überschaubarer, gut erklärbarer Ablauf meist wertvoller als ein technisch anspruchsvolles Modell. Zwei passende Behältergrößen, ein klarer Platz für Rückgaben und eine eindeutige Ansage an der Kasse können mehr bewirken als ein großes Sortiment, das im Tagesgeschäft niemand konsequent nutzt. Mehrweg wird dann nicht zum Zusatzprojekt, sondern zu einem weiteren sauberen Handgriff in der echten Imbisskultur.

Häufige Fragen

Welche Imbisse sind von der Pflicht zu eigenen Mehrwegverpackungen ausgenommen?
Kleine Betriebe mit höchstens fünf Beschäftigten und einer Verkaufsfläche von nicht mehr als 80 Quadratmetern sind davon ausgenommen, eigene Mehrwegverpackungen bereitzustellen. Sie müssen jedoch mitgebrachte Behälter auf Wunsch befüllen und auf diese Möglichkeit hinweisen.
Was ist der Unterschied zwischen RECUP/REBOWL und Vytal?
RECUP/REBOWL gibt Mehrwegbehälter gegen Pfand aus, das bei der Rückgabe erstattet wird. Vytal arbeitet mit einer pfandlosen Ausleihe per QR-Code und Smartphone-App; die Behälter müssen innerhalb von 14 Tagen kostenlos zurückgegeben werden.
Wie hoch ist das Pfand für eine REBOWL-Schale?
Für eine REBOWL-Schale beträgt das Pfand 5 Euro. Bei der Rückgabe erhält die Kundschaft das Pfand zurück.
Welche Kosten entstehen bei einem Mehrwegsystem für den Imbiss?
Beim eigenen System fallen vor allem Kosten für Behälter, Ersatz, Lagerung, Reinigung und Spültechnik an. Bei Poolanbietern entstehen regelmäßige Gebühren; in der Recherche liegen diese je nach Modell und Vertragslaufzeit ungefähr bei 25 bis 40 Euro monatlich, für RECUP/REBOWL ist eine Gebühr ab 30 Euro pro Monat genannt.
Welches Mehrwegsystem eignet sich für einen kleinen Imbiss?
Ein Pfand-Poolsystem passt eher zu vielen spontanen Bestellungen, einem gemischten Publikum und einer Umgebung mit mehreren Rückgabestellen. Ein appbasiertes System eignet sich eher für wiederkehrende, digital affine Kundschaft, während ein eigenes System sinnvoll sein kann, wenn spezifische Behälterformen oder eine starke Markenanpassung wichtig sind.

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